VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

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Marco Goetz
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VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von Marco Goetz »

Hallo Leute,
unter dem Eindruck von Regatten wie der letztjährigen Euro habe ich mir Gedanken gemacht, wie sich unsere Segelei besser an die jeweiligen Windverhältnisse anpassen lässt, wie sich die Sicherheit der Segler erhöhen lässt und wie Spaß und Chancengleichheit einkehren. Ich habe diese Überlegungen in einem Vorschlag zur Änderung der Klassenregel "C.7.1 Limitations" zusammengefasst, die vorschreibt, daß in einem Event nur ein Segel verwendet werden darf. Ich bin der Meinung, daß es sinnvoller wäre, künftig ZWEI SEGEL verwenden zu dürfen. In der Folge nun der konkrete Antrag mit Erläuterungen, die ich hier zur (hoffentlich regen) Diskussion stelle. In jedem Fall wäre es gut, wenn jeder zumindest einfach ein "bin dafür" oder "bin dagegen" einbringen würde.
Euer Marco Goetz, GER 21

01.02.2023

Vorschlag zur Änderung von Regel C.7.1 EINSCHRÄNKUNGEN (S. 8) der Klassenregeln der International A Class Catamaran Association:

Aktuelle Regelung: C.7.1 EINSCHRÄNKUNGEN
Jedes Boot darf nur einen kompletten Ausrüstungssatz außer Segellatten für eine Veranstaltung vermessen. Die Regattaleitung kann den Ersatz verloren gegangener oder irreparabel beschädigter Ausrüstung zulassen. Ersetzte Ausrüstungsteile müssen den A-Klasse-Katamaran-Klassenregeln entsprechen.

Vorschlag neue Regelung: C.7.1 EINSCHRÄNKUNGEN
Jedes Boot darf nur einen kompletten Ausrüstungssatz für eine Veranstaltung vermessen, mit Ausnahme von Latten und zwei Segeln. Die Regattaleitung oder das Technische Komitee für Veranstaltungen kann den Ersatz verloren gegangener oder irreparabel beschädigter Ausrüstung gestatten. Ersetzte Ausrüstungsteile müssen den A-Klasse-Katamaran-Klassenregeln entsprechen. Wechsel von Segel, sofern sie nicht verloren gegangen oder irreparabel beschädigt sind, dürfen nur an Land im Hafenbereich der Veranstaltung vorgenommen werden.

Grund für den Vorschlag
Die Regel C.7.1 hindert Segler daran, ihr Boot auf naheliegende Weise an die Segelbedingungen anzupassen: durch die Wahl des richtigen Segels für die herrschende Windgeschwindigkeit. Da nur ein Segel zugelassen ist, hat der Segler keine Optionen.
In dieser Hinsicht steht die A-Klasse im Gegensatz zu einer großen Zahl von Bootsklassen, die ihre Ausstattung während eines Events anpassen können. Von der Motte bis zum Finn (als Beispiele) erlauben die Klassenregeln zwei Segel oder auch mehr.
Zweifellos hat sich der ideale Windbereich für die A-Klasse (auch mit der Entwicklung des Foilens) auf einen Bereich von 7 Knoten bis max. 18 Knoten deutlich eingeengt. Das Ziel dieses Vorschlags ist es, den Windbereich wieder auf die in unseren Regeln definierten 5 bis 22 Knoten zu erweitern und allen Seglern mehr Sicherheit, Spaß und Chancengleichheit zu ermöglichen.

Zielsetzung
Aktuell verpflichtet die Regel C.7.1 den Segler, ein einziges Allround-Segel für eine Veranstaltung zu verwenden. Da selbst Orte mit starkem Wind auch Tage mit leichten Windbedingungen haben, muss das gewählte Segel immer im unteren Windbereich konkurrenzfähig sein. Kein Segler will hier verwundbar sein.
Am anderen Ende des Windbereichs (16 - 22 ktn) neigt das Boot mit demselben Segel dazu überpowered zu sein. Dies kann von Segelmacher zu Segelmacher variieren, die große Fortschritte gemacht haben in der Entwicklung vielseitiger Segel. Aber trotzdem: Während die Topsegler die Power beherrschen, fühlt sich ein großer Teil der Segler bei 18 Knoten + außerhalb ihrer Komfortzone. Einige beschließen, sich im Sinne guter Seemannschaft zu verhalten und an Land zurückzukehren oder überhaupt an Land zu bleiben. Ein Umstand, der dem Image der A-Klasse mit organisierenden Vereinen nicht zuträglich ist, wenn ein Teil eines vielleicht ohnehin kleinen Felds nicht mitfährt.

Lösung
Das Zulassen von zwei Segeln würde die Möglichkeit bieten, Segel für zwei verschiedene Windbereiche vorzuhalten (z.B. 5 - 15, 12 - 22 ktn). Während Top-Segler vielleicht immer ihre überpowerten Segel benutzen und von der Möglichkeit des Wechsels keinen Gebrauch machen würden, könnte der durchschnittliche Segler ein Starkwind-Segel haben (mit vielleicht sogar einer leicht reduzierten Fläche), das seinen Fähigkeiten entspricht, ohne bei leichtem Wind bestraft zu werden. Gerade für leichtere oder nicht sehr geübte Segler könnte diese Vielseitigkeit bei der Segelwahl ein Argument für die A-Klasse sein. Ich bin sicher, es würde schnelles Segeln (insbesondere Foilen) für eine größere Zielgruppe attraktiver machen. Angst auf dem Boot verkauft sich nicht. Vielleicht könnten wir eines Tages sogar das Wind-Limit aufheben, wie es andere Klassen tun.

Kosten
Die Regel C.7.1 ist eine Regel, die in Zeiten, als Selbstbau noch verbreitet war, dazu gedacht war, die Kosten niedrig zu halten. Der A-Cat hat sich in seiner Segelleistung gegenüber damals extrem weiterentwickelt. Hinsichtlich der Kostenstruktur eines kompletten A-Klasse-Katamarans ist das Segel zwar ein gewichtiger, aber nicht der entscheidende Faktor. Viele Segler haben ohnehin mehrere Segel zur Hand, die nicht selten daraus resultieren, daß das Segel als Fehlkauf in der Hängerkiste bleibt, weil es eben nicht das gesamte Windspektrum abdecken kann. Man kann die Zwei-Segel-Regel auch als ökonomische Lösung sehen, wenn man bedenkt, dass man ein Heavy-Duty-Segel (das zumindest in Süddeutschland nicht sehr oft ausgepackt wird) und ein normales Segel, wie wir es bereits haben, verwenden würde. Letzteres würde deutlich länger in Form bleiben, wenn es nicht bei starkem Wind verwendet werden muß. In einem Windrevier würde es wohl andersherum sein: ein Mittel- bis Starkwind-Segel, das durch ein Leichtwind-Segel ergänzt wird.

GER 21, Marco Goetz, Kaiser-Wilhelm-Str. 13a, D-82319 Starnberg, Germany
+49 170 248 2975, mg@marco-goetz.de
Helmut GER 76
Beiträge: 4
Registriert: 2. Apr 2019, 17:04

Re: VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von Helmut GER 76 »

Ich finde diesen Vorschlag sehr gut. Besonders wenn ich an die Süddeutschen Seen denke und dann zur Deutschen Meisterschaft an den Gardasee.
Auch das Vorurteil der Kosten wird in diesem Vorschlag gut erläutert. Ein älteres Segel kann man evtl. verkleinern lassen. Es gibt Sicherheit im Starkwind und man fühlt sich wohler. Das gute neue Material wird geschont Schönen Gruß!
GER100
Beiträge: 73
Registriert: 4. Apr 2019, 11:04

Re: VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von GER100 »

Kann mich auch nur anschließen. Das ist eine nervige Regel, dass man nur ein Segel einsetzen kann. Hat in der Praxis null Vorteile. Ich schreibe das als bekennender Low Budget Classic-Segler, der bei Starkwind lieber einen alten flachen Lappen hochziehen mag ;)
FrankenKai
Beiträge: 96
Registriert: 20. Okt 2020, 10:46

Re: VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von FrankenKai »

Hallo zusammen,
ich finde den Vorschlag nicht schlecht.
Auch wenn es erstmal "teurer" wird, wenn man gleich den gesamten Windbereich besser mit Segeln abdecken möchte.
Da man aber zu Anfang hauptsächlich auf einen bekannten Rewier segelt, kann das eine Segel ja für dieses Rewier angepasst sein.
Und wenn man "überpowert" gar nicht erst aufs Wasser geht, hat man auch keinen Nachteil, sondern eher ein Vorteil da man seine möglichen Segeltage ja erhöt, zuhause wie auch auf Regatta.

Auf der anderen Seite wird so ein Nachteil von Leichten Seglern bei Starkwind ausgeglichen, den diese schweren Segler bei Schwachwind nicht ausgleichen/"gutgeschrieben" bekommen. (so viel zur Chancengleichheit )
Die können dann ja kein e.g. 3 qm gößeres Segel hochschieben, währen die Leitgewichte noch die standard Größe (oder kleiner) nutzen müssen.
Somit müsste man zumindest auch die reduzierung/erhöhung der Segelfläche regulieren/verbieten.

Und das macht es wiederum schwer wirklich allen gerecht zu werden.

Mal ein paar Senarien:
"Da gabs am Vortag den leckeren Braten als Seglermahlzeit, und plötzlich darf ich mein verkleinertes Segel nicht mehr nehmen da ich aus den Gewichtsrahmen falle und jemand mal nachwiegt."
oder

"Früher hatte ich bei Starkwind mit meinem Gewicht wenigstens ne chance, jetzt Segel mir auch da die Leichtgewichte um die Ohren.
Da bin ich auf Regatte ja immer gefrustet, das bring ja nix mehr." (ja und es gibt Menschen die ihr Köpergewicht nicht durch maßnahme x und y auf Ideal Gewicht bringen können)

Hm, auch keine so tolles Gefühl.

Also so einfach ist aus meiner Sicht die Regelanpassung nicht.

Gruß
Kai (GER88)
Marco Goetz
Beiträge: 9
Registriert: 24. Nov 2019, 17:57

Re: VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von Marco Goetz »

Liebe A-CatlerInnen,
an der regen Diskussion (immerhin 3 Beiträge) ist eine deutliche Tendenz (66,6%) für den Vorschlag abzulesen. Oder interpretiere ich das etwas zu positiv?
GER100
Beiträge: 73
Registriert: 4. Apr 2019, 11:04

Re: VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von GER100 »

Es sind sogar 87,5 Prozent. 3 klar dafür, einer unentschieden, wenn ich es richtig interpretiere. :|
FrankenKai
Beiträge: 96
Registriert: 20. Okt 2020, 10:46

Re: VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von FrankenKai »

GER100 hat geschrieben: 12. Feb 2023, 14:59 Es sind sogar 87,5 Prozent. 3 klar dafür, einer unentschieden, wenn ich es richtig interpretiere. :|
Ja kannst du so sehen.
Gruß Kai
Mike AUT-96
Beiträge: 13
Registriert: 17. Nov 2019, 09:23

Re: VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von Mike AUT-96 »

Hallo zusammen, Danke für den Vorschlag Marco...ich bin eindeutig dafür...ist der erste Schritt in die richtige Richtung.

lg
Mike
Helmut GER 76
Beiträge: 4
Registriert: 2. Apr 2019, 17:04

Re: VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von Helmut GER 76 »

Wie geht das Thema weiter?
KLAUS GER5
Beiträge: 4
Registriert: 18. Okt 2020, 17:08

Re: VORSCHLAG FÜR ÄNDERUNG REGEL C.7.1 LIMITATIONS

Beitrag von KLAUS GER5 »

Hallo Marco,
vielen Dank schon mal für deine detailierte Ausarbeitung für den Vorschlag der Regeländerung.
Ich stimme deinem Vorschlag uneingeschränkt zu !!
Es hat ja Gründe weshalb in vielen andern Bootsklassen mehrere Segel in einer Regatta zugelassen sind..

Grüße Klaus
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